1000LUX

Geschichten aus Luxemburg

“Tu es nicht”

Sie sagten „tu es nicht“ und hätten beinahe verhindert eine meiner Wenigen, wenn auch neuen Leidenschaften zu finden die ich habe. Es gibt wenige Dinge, die ich mit Leidenschaft in Verbindung bringe, ich hab auch so meine Probleme mit dem Wort. Leidenschaft bezeichnet was, wo man mit dem Herzen dabei ist. Etwas wo man viel reininvestiert und unter großen Mühen und Aufopferung zurück erhält. Es zeugt von einer gewissen Dauer und vielleicht auch etwas rückwärts gewandt. Eine Leidenschaft hat man irgendwann für sich erkannt und zieht diese jetzt durch. Auch wenn sie Leiden schafft. Dabei rede ich von so einer Art gar nicht. Vielleicht passt das Wort auch gar nicht, obwohl die Sache ja doch ein gewisses Leid schafft, das eben aber auch als Quelle der Freude fungiert.

Ich rede von Achterbahnen, Breakdancer, Power Tower, Schaukeln – Hauptsache Bunt, hauptsache deftig.

Sie sagten „tu es nicht“, als ich damals auf dem heimischen Rummel vor dem Top Spin stand und im zarten Alter von 16 auch mal drin fahren wollte. Die Freunde mit denen ich unterwegs war versuchten mich von abzubringen und ich bin heil froh nicht auf sie gehört zu haben. Entgegen aller Warnung über die benötigte Magenstärke zum Benutzen des Geräts kam ich 5 Minuten später gelangweilt und etwas enttäuscht wieder raus. Bei soviel Gezeter hatte ich mir mehr versprochen.

Dabei ist es gar nicht so, dass ich unbedingt den aller stärksten Magen habe. Eine Viertelstunde Busfahren auf dem Platz hinter dem Fahrer kann reichen. Oder Lesen und Schreiben im Auto geht auch nicht. Und mit verschlossenen Augen auf dem Beifahrersitz kriegt mich auch in einer Stunde dahingerafft. Einzig rückwärts in der Bahn fahren kann ich. Und fünf Fahrgeschäfte hintereinander.

Ende August bis Anfang September ist in Luxemburg das Schüberfeuer, ein großer Jahrmarkt vollgestellt mit Fahrbuden, die mein Herz höher schlagen ließen. Ich bin quer über den Platz gestrolcht und kam aus dem Grinsen nicht heraus. Im Kopf hab ich bereits eine Liste gemacht, der Dinge die ich machen wollte.

Kategorie 1: Definitiv probieren
Kategorie 2: Sieht hart aus, is aber sicher lasch, also bei Zeit
Kategorie 3: Sieht lasch aus, könnte aber lustig sein, also bei Zeit
Kategorie 4: Laaaaangweilig

In Kategorie 1 der Power Tower, den ich gleich am ersten Tag mitnahm. Unter der Woche ging ich mit einem Freund noch einmal auf den Markt und er dokumentierte ein bisschen meinen Verfall. Auf fünf Fahrgeschäfte kam ich an dem Abend. Kategorie 1 hab ich abgearbeitet, ebenso Kategorie 3. Kategorie 2 bleibt für die Zukunft. Danach war mir nicht schlecht, aber ich hatte kein Gleichgewicht mehr und das Schwindelgefühl hielt 3 Tage an. Ich war glücklich. Es war ein bisschen wie besoffen sein. Der Kopf weiß nicht, ob er nach vorne oder nach hinten kippen soll und man beginnt über Thema zu philosophieren, die überhaupt nicht relevant sind. Es war einer der schönsten und euphorischsten Abende und zukünftig werde ich die Ohren offener hHalten. Es gibt nur wenige Momente wo ich manischer und breiter Lache, als in 12m Höhe eingespannt in einen engen Sitz umgeben von schreienden Leuten und der Welt über mir. Ich bin sehr froh, damals nicht auf meine Freunde gehört zu haben.

2. September 2009