1000LUX

Geschichten aus Luxemburg

Weltüber

„Die Welt steht Kopf.“

In einem kurzen Moment der Klarheit wird mir meine Lage bewusst. Die Welt steht Kopf und über mir …

„Ich gucke hoch und sehe die Welt.“

Diese eine kurze Moment fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Zurecht, gibt es gerade noch so viel zu entdecken.

„Was mach ich hier?“

Ich sitz festgedrückt in einem Sitz. Ich bin voll eingespannt, nur Arme, Beine und Kopf gucken heraus. Selbst wenn ich raus wollte könnte ich es nicht. Ich bleib aber auch lieber drin.

„Ob ich auch so gucke?“

Es ist bunt, wir sind 25. In Fünfer Gruppen sitzen wir im Kreis angeordnet und sehen unsere Panik, Euphorie, Angst und Wahnsinn. Mal guckt man auf sie herunter, mal zu ihnen herauf. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

„Da zieht was nach oben, aber was ist schon oben.“

Es geht rund, wir drehen uns, wir schwingen, wir pendeln, wir rotieren, wir verharren und wechseln die Richtung. Wir pendeln bis zum halben Überschlag und zischen durch den Tiefpunkt. Reißen unsere Arme hoch, es ist nicht leicht. Es ist Chaos für die Sinne.

„Ach macht doch einfach…“

Wir sind willenlos. Wir sind den Kräften ausgesetzt. Wir haben keine Gewalt. Über uns wird bestimmt und es bringt nichts sich dagegen zu wehren. Vertrauen! Genuss des Wechselspiels der Kräfte. Du bist ein Spielball auf einer Welle.

„Und über mir ist die Erde.“

Und die Gondel schwingt ein weiteres Mal empor bis zum höchsten Punkt. Die Zentrifugalkraft ersetzt die Schwerkraft und vermitteln den trügerischen Eindruck, unter uns sei nichts, über uns sei die Erde und das wäre ganz normal.

Für den Bruchteil eines Moments hängt man kopfüber in seinem Sitz, die Gondel verharrt und man schaut auf die Welt und das Bild brennt sich ein. Alles Gedanken, die ich in diesem Moment hätte haben können, aber in Wirklichkeit war ich dabei euphorisch zu Jöhlen und die Arme in der Luft zu halten.

2. September 2009