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Geschichten aus Luxemburg

Ich hasse Drehtüren.

Ich hasse Drehtüren.
Eingentlich könnte ich hier schon abbrechen, aber leider wäre es für die Internetausdrucker etwas unökologisch eine A4 Seite nur für diesen Satz zu verschwenden, auch wenn es eigentlich die ganze Quintessenz des Textes ist. Lasst mich daher an einigen Beispielen darlegen woran diese Abneigung festzumachen ist.

Ich weiß nicht mehr welche Tür genau es war. Bei Krankheiten spricht man ja von Patient Null, ich nenne sie daher Drehtür Null. Es muss die Erste gewesen sein, die einen nachbleibenden Eindruck der Missachtung hinterlassen hat. Die selbstgefällige Ignoranz mit der sich diese Tür in immer gleichen Bahnen bewegt. Das Bild ist eindeutig. Sie dreht sich vollständig um sich selbst. Niemand vermag sie in ihrem Dasein zu stören. Die ganze Welt dreht sich um sie. Sie gibt das Tempo vor. Sie bestimmt was geht. Sie ist eine Frau. Wenn du sie drückst stellt sie sich quer und es geht gar nichts mehr. Das ist die Strafe dafür nicht nach ihren Spielregeln pariert zu haben.

Nach Drehtür Null sollten noch viele kommen und dem uneingeschränkten Betreten eines Hauses hinderlich sein. Jedes Kaufhaus, das meint etwas auf sich zu halten hat eine Drehtür und meist daneben eine verschlossene oder mit eine anderweitig unhandbar gemachte, viel zu große schwere Tür, die sich die Menschen aber solidarisch aufhalten. Immerhin, niemand will die Drehtür benutzen.

Höchstens Kinder, die mit ihrer naiven Spiellust die Tür anschieben oder abbremsen, gerade wenn eng zusammengepfercht eine Horde Menschen viel zu eilig darauf bedacht ist vom Draußen ins Drinnen oder umgekehrt zu gelangen. Schnell mag der Hass dem kleinen Jungen entgegen kommen, obwohl er an den Falschen gerichtet ist.

Das Kind ist wie vielen Generationen zuvor einfach dem Charme der Drehtür erliegen. Mit ihrer seichten Drehung suggeriert sie Eleganz und Würde, die sich jedem erschließen, der sie zu durchschreiten bereit ist. Ein Versprechen, das zum Leide aller nicht erfüllt wird und letzlich nur der Grund und Anlass für diese Seuche ist. Ob im Bürohaus, im Supermarkt, im Hotel oder auf dem Bahnhof, die Drehtür entwürdigt den Menschen und so auch mich.

Ich hasse Drehtüren.
Da gelobe ich mir die devote Automatiktür.

4. Juni 2009